Fracking: Wir brauchen Schutz fürs Wasser, unser Lebensmittel Nr. 1

Wibke Brems FrackingvortragDer Gütersloher Stadtrat hat sich in der letzten Woche einstimmig gegen die „Verlängerung der Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen zu gewerblichen Zwecken” ausgesprochen, wie sie von der Firma Exxon Mobil für zwei Suchfelder, die das Gebiet unserer Stadt berühren, beantragt worden war. Am Dienstagabend beleuchteten wir in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Dipl.-Ing. (FH) Wibke Brems MdL, der energie- und Klimaschutzpolitischen Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion NRW und ausgewiesenen Frackingexpertin, alle Aspekte dieser Hochrisikotechnologie. Brems zeigte auf, warum Fracking keine Option für die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist und dass der Bund bei den rechtlichen Aspekten des Verfahrens gefordert sei.

„Vor der Hacke ist es dunkel“, zitierte Wibke Brems eine alte Weisheit der Bergleute und brachte damit einen großen Teil der schwer kalkulierbaren Risiken, die mit dem umstrittenen Verfahren Fracking einhergehen, auf den Punkt. Je Frackingvorgang, erläuterte die Elektrotechnik-Ingenieurin, kämen mehrere tausend Kilo hochgiftige und wassergefährdende Chemikalien zum Einsatz, die in den Untergrund gepresst würden und so die Förderung des unkonventionellen Erdgases, das in bestimmten geologischen Schichten gebunden ist, ermöglichten. Brems: „Wir wissen, dass wir nichts genaues wissen. Niemand kann vorhersagen, ob und wie sich die Frackingflüssigkeit unterirdisch verbreitet, ob unterirdische Strömungen oder Altbohrungen einen Aufstieg in grundwasserführende Schichten bewirken können und so das Grundwasser verseucht wird.“

Dazu kämen die Risiken bei der oberirdischen Handhabung der Frackingchemikalien und bei der Entsorgung des Flowbacks, der wiederaufsteigenden Frackingflüssigkeit mit ihrem Chemikaliencocktail, das zumeist in so genannten Versenkbohrungen wieder in den Untergrund gepresst würde. Der enorme Flächenverbrauch der engmaschig niedergebrachten Bohrungen, der hohe Wasserverbrauch und das große Schwerlastverkehrsaufkommen der Bohrstellen kämen als zusätzliche Belastungen hinzu.

„Wir brauchen eine Änderung des Bundesbergrechts“, das, so führte Brems aus, keine Umweltverträglichkeitsprüfung für Frackingvorhaben erfordere und den Besorgnisgrundsatz des Wasserrechts nicht kenne.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger möchte trotz der bekannten Gefahren, Fracking in Deutschland erproben und so die Abhängigkeit von Gasimporten reduzieren, berichtete die Landespolitikerin. Da Erdgas hauptsächlich im Gebäudebereich eingesetzt werde, erläuterte Brems, dass Maßnahmen zur Gebäudesanierung wesentlich zielführender seien, die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren.

Einig waren sich alle Anwesenden in der anschließenden Diskussion, in der ein hoher Informationsbedarf deutlich wurde, dass Fracking auf dem Gebiet der Stadt Gütersloh und darüber hinaus nicht zum Einsatz kommen darf. Allein die ungewöhnlich hohe Dichte privater Hauswasserbrunnen in unserer Region lässt den Einsatz von Fracking unverantwortlich erscheinen.

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