Gütersloh Erneuerbar Die Augangslage

Gütersloh Erneuerbar

Der GRÜNE Ortsverband Gütersloh lädt Sie ein, gemeinsam die Grundlagen eines ganzheitlichen Klima- und Energiekonzepts für die Stadt Gütersloh zu diskutieren und zu erarbeiten. Wir wollen mit einer breiten Öffentlichkeit die unterschiedlichen Möglichkeiten und deren Chancen diskutieren und eine öffentliche Debatte zur Neuausrichtung der Klima- und Energiepolitik in unserer Stadt anstoßen.

Ihre Ideen finden Gehör!
Lassen Sie uns  an Ihren Ideen und Vorstellungen für eine energie- und klimapolitische
Neuausrichtung unserer Stadt teilhaben!

 

Die Ausgangslage

Ein Anstoß von Wibke Brems

Die Klimakatastrophe ist eine globale Katastrophe. Wir müssen sie global bekämpfen, denn dem Klima ist es egal, wo die Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Dies ist unstrittig, darf aber nicht dazu führen, dass wir uns darauf zurückziehen, die Lösung allein in internationalen Klimaverhandlungen zu sehen. Denn gerade die Industrienationen haben eine besondere Verantwortung. Schließlich hat unsere Art zu leben und zu wirtschaften entscheidend dazu beigetragen, dass nicht mehr vom Klimawandel, sondern von einer Klimakatastrophe gesprochen werden muss.

Herausforderungen für NRW

Wenn wir einen Blick auf die CO2-Emissionen pro Kopf werfen, werden die Ungerechtigkeiten sofort offensichtlich: Das Ranking der Klimasünder führt Qatar mit 40 Tonnen an, es folgen weitere OPEC-Staaten, bevor auf Platz 5 der bekannte Klimasünder USA mit mehr als 18 Tonnen (t) pro Jahr und Kopf erscheint. Deutschland landet mit fast 10 t auf Platz 20. Der Weltdurchschnitt liegt bei knapp 4 t pro Kopf. Das industriell aufstrebende China holt in diesem traurigen Wettstreit in den letzten Jahren rasant auf und liegt mittlerweile über dem Weltdurchschnitt.

Bei der Betrachtung der CO2-Emissionen Nordrhein-Westfalens wird die Herausforderung für unser Industrieland deutlich: Mit mehr als 17 t pro Kopf liegt NRW mit den CO2-Emissionen näher an den USA als am Durchschnitt von Deutschland. Aus diesem Grund ist es nicht nur angebracht sondern geboten, auch als Bundesland Klimaschutzziele zu vereinbaren. Das im rot-grünen Koalitionsvertrag formulierte Ziel einer Reduktion von 25 Prozent bis 2020 im Vergleich zum Jahr 1990 steht auf dem ersten Blick hinter dem verlautbarten Ziel der Bundesregierung von 40 Prozent zurück. Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass eine Reduktion in Höhe von 25 Prozent für das Industrieland NRW mit seiner von der Kohle geprägten Energieversorgungsstruktur eine ambitionierte Zielsetzung ist. Natürlich kann es in niemandes Interesse sein, Betriebe mit hohen Emissionen in andere Bundesländer und Staaten zu vertreiben, dem Klima ist es schließlich egal, wo die Treibhausgase emittiert werden. Die Herausforderung für NRW wird es sein, alle gesellschaftlichen und politischen Kräfte auf dem Weg zur CO2-reduzierte Lebensweise mitzunehmen.

Die Maßnahmen zählen

Die rot-grüne Koalition hat darum vereinbart, ein Klimaschutzgesetz auf den Weg zu bringen, in dem nicht nur Ziele, sondern auch konkreten Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele hinterlegt werden. Denn allgemein ist bekannt, dass beispielsweise in der energetischen Gebäudesanierung sehr große Einsparpotentiale schlummern. Obwohl die „Klimakanzlerin“ Merkel große Ziele der CO2-Einsparung formulierte, kürzt ihre Regierung gleichzeitig Milliarden bei den KfW-Kreditprogrammen für die energetische Gebäudesanierung. Allein dieses Beispiel zeigt, dass Ziele ohne Maßnahmen sprichwörtlich heiße Luft sind. Darum wird das Maßnahmenprogramm zur Umsetzung des Klimaschutzgesetzes der entscheidende „Schrittmacher“ sein, der alle fünf Jahre auf seine Wirksamkeit überprüft und weiter überarbeitet wird. Es ist zu erwarten, dass die energetische Gebäudesanierung, der forcierte Umstieg auf Erneuerbare Energien für die Strom- und Wärmeversorgung, aber auch der Verkehr essentielle Bausteine sein werden.

Anreize für Gütersloh – Energieoffensive Kommunen

Damit werden die Kommunen eine entscheidende Rolle spielen. Schon jetzt haben einige Kommunen ihre Chance erkannt. Stetig wachsen die Initiativen von Städten und Kreisen, die erneuerbare Energien als Chance erkennen und ausbauen oder sogar komplette Energie- oder Klimaschutzprogramme aufstellen.

So haben Saerbeck, Bocholt, Burbach, Rheine und Schmallenberg mit Rückenwind des Landes ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet, was dazu führte, dass Saerbeck und Bocholt nun offiziell „Klimakommune“ [1] sind. Der Kreis Steinfurt entschied einstimmig, bis zum Jahr 2050 energieautark zu werden[2]. Dieser Kreis im Münsterland, in dem mehr Windenergieanlagen stehen als in anderen Kreisen Nordrhein-Westfalens, hat errechnet, wie viel derzeit pro Jahr für Energie im Kreis ausgegeben wird. Das Ergebnis: 1,2 Milliarden Euro. Von diesem Geld fließt derzeit noch mehr als 90 Prozent aus dem Kreis ab. Das Ziel für 2050 ist, dass die gesamte Summe von 1,2 Mrd. € als lokale Wertschöpfung im Kreis erhalten bleibt. Ein Ziel, das auch eher konservativ eingestellten Entscheidungsträger interessieren könnte.

Der Regionalrat Arnsberg hatte bereits im Jahr 2009 eine Machbarkeitsstudie „Potentiale Erneuerbarer Energien im Regierungsbezirk Arnsberg“ initiiert[3], deren Ergebnisse seit April dieses Jahres vorliegen. Die Ausbauziele könnten aus grüner Sicht ambitionierter sein, aber interessant sind die mit dem konservativ gerechneten Szenarium verbundenen Effekte: So soll die Anzahl der Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien von derzeit 14.000 bis 2020 um mindestens 2.500 ansteigen. Durch eine verstärkte Ansiedlungspolitik werden sogar 6.700 zusätzliche Arbeitsplätze prognostiziert. Damit werden die zu erwartenden wegfallenden Arbeitsplätze im Bereich des fossilen Energiesektors in Höhe von 1.000 mehr als ausgeglichen.

Kommunen können zudem auch finanziell profitieren. Dies kann direkt durch Pachteinnahmen und Steuern geschehen. Innerhalb der Kommune kommt es zudem zu einer Einkommensgenerierung und Gewinnerzielung der ortsansässigen Unternehmen. Diese Effekte werden für den Regierungsbezirk Arnsberg für einen Zeitraum von 20 Jahren auf 4,5 Mrd. Euro geschätzt. Die Energieträger Wind und Sonne tragen daran den größten Anteil, gerade in der Solarenergiebranche sind Handwerksfirmen und mittelständische Unternehmen die Profiteure.

Dezentrale, effiziente und moderne Energieerzeugung

Durch erneuerbare Energien wird die Energieerzeugung zunehmend dezentraler. Auch hiervon profitieren die Kommunen, da der kommunale Einfluss auf die Energieversorgung erhöht werden kann, unabhängig davon, ob eigene Stadtwerke bestehen oder nicht.

Insgesamt bietet ein verstärkter Ausbau von Erneuerbaren Energien also große Chancen für Kommunen. Interessant ist weiterhin, dass gerade der ländliche Raum erheblich gestärkt werden kann.

Klimaschutz ist eine globale Aufgabe – keine Frage. Doch neben den Weichen, die international und national gestellt werden, sind es die Kommunen, die entscheidend dazu beitragen können, diese Ziele auch umzusetzen. Kommunaler Klimaschutz stärkt das Bewusstsein jedes Einzelnen für die globale Herausforderung und setzt gleichzeitig enorme Impulse für die eigene Entwicklung zu modernen, effizienten und dezentralen Versorgungsstrukturen.

 

Ihre Ideen finden Gehör!

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[2] Weitere Informationen unter: http://agenda21.kreis-steinfurt.de

[3] Kurz- und Langfassung der Studie, sowie den Entschließungsantrag des Regionalrats sind unter http://www.bezreg-arnsberg.nrw.de/presse/2011/04/049_11/index.php zu finden.

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