GRÜNE plädieren für Aufwertung der Realschule am Standort Ost zu einer Geschwister-Scholl-Gesamtschule

Wir haben die Stellungnahmen der Beteiligungsgremien nach intensivem Studium zur Errichtung einer 3. Gesamtschule im Norden der Stadt zur Kenntnis genommen. Aber den Wertungen der Verwaltungen zustimmen, das können wir im Ergebnis nicht!

Es soll entschieden werden, die Hauptschule Ost beginnend mit dem Schuljahr 2017/18 auslaufend aufzulösen. Auch dem stimmen wir Grüne nicht zu.

Begründung unserer Position:

Alle Wertungen der Verwaltung laufen hinaus auf:

  1. Auslaufen der Hauptschule beginnend in 2017/18
  2. Errichtung einer 3. Gesamtschule im Norden mit dem Schuljahr 2018/19.

Vieles jedoch spricht für eine Weiterführung der Hauptschule Ost, da wir gerade zur Zeit viele neue Kinder mit Flüchtlingshintergrund haben, die zum großen Teil in hervorragender Weise in einer Hauptschule betreut werden können.
Auch wird deutlich, dass die weiterhin hoch akzeptierten Realschulen, die landesweit zurzeit auf der Gewinnerstraße sind, auf eine Hauptschule angewiesen sind, wenn sie es nicht selbst werden wollen. Das aber wäre dann das Ende der Dreigliedrigkeit – mit dem großen Systemfehler, nicht zu einem Zwei-Säulen-Modell zu gelangen.

Deshalb plädieren wir in diesem Zusammenhang für die Aufwertung der vorhandenen Realschule am Standort Ost zu einer Geschwister-Scholl-Gesamtschule.

Ein Riesenproblem könnte dadurch entstehen, wenn wir heute für 2017 das unwiderrufliche Auslaufen der Hauptschule beschließen, aber danach feststellen, dass in 2018 eine Gesamtschule im Norden wegen zu geringer Anmeldezahlen nicht zustande kommt. Das wäre für die Stadt ein Desaster, zumal dann, wenn auch die Freiherr-vom-Stein-Realschule auslaufen sollte.

Um dieses zu verhindern, ließe sich die obere Schulaufsicht ganz bestimmt überzeugen von zumindest einem weiteren Schuljahr für die Hauptschule Ost, damit genau dieses Risiko für die Schullandschaft in GT aufgefangen werden kann.

Aber, und das hat die Verwaltung auch so geäußert, man möchte sofort das Ende der Hauptschule festgezurrt haben, so dass das Auslaufen der HS schon zum Zeitpunkt der Elternbefragung für die dritte Gesamtschule im Frühjahr 2017 klar ist.

Warum? Weil alle wissen, dass um jeden Schüler zu kämpfen ist, damit die Anmeldemindestzahl von 100 für die 3. Gesamtschule im Norden erreicht wird.

Damit das eintritt, werden viele Hebel bewegt, z. B. der, dass neben dem Ende der Hauptschule beide bestehenden Gesamtschulen je eine von sechs Klassen in Richtung 3. Gesamtschule – wie auch immer – in den Norden motivieren soll. Auch soll bis dahin das Auslaufen der Freiherr-vom-Stein Realschule beschlossen werden.

Zusätzlich wird der glückliche Umstand genutzt, dass sich im ersten Schuljahr für eine neue Gesamtschule, also in 2018, 981 Schüler für die SekSt. I anmelden werden, im Schuljahr davor und in den Schuljahren danach werden das aber wieder über 100 Ss pro Jahrgang weniger sein, das sind 4 Züge weniger. Qualitativ verhalten sich die Zahlen genauso, wenn die Internationale Klasse mit berücksichtigt wird.

In der Summe kann man nur feststellen, dass alles getan wird, einen Start einer 3. Gesamtschule im Norden irgendwie hinzubekommen. Aber wird das ein dauerhaftes Schulleben? Schon 2019 wird es schwerer als 2018. Und dann die Argumentation, Schüler aus Isselhorst, Avenwedde und Friedrichsdorf zu gewinnen. Wer fährt denn in eine quantitativ riskant kleine Gesamtschule zurück, wenn man schon am ZOB angekommen ist?

In der 80er Jahren und Ende der 90er wurde um Gesamtschulen in Gütersloh regelrecht gekämpft, pädagogisch und bedarfsorientiert mit Überlegungen, die entsprechend geeignete Schülerschaft zu gewinnen.

Heute wird sie uns eher als Notlösung angeboten. Angereichert mit Versprechungen für Blankenhagen in Richtung Sozial- und Stadtteilarbeit, die unrealistisch sind. Nehmen Sie doch den Kern von Blankenhagen zwischen Brockhäger Str. und Blankenhagener Weg. Rund 1 km entfernt davon die Gesamtschule zwischen Kahlertstr. und Ahornallee, bebauungsmäßig durch weit durch Grünzüge, Straßen und Felder abgetrennt. Wie können dann hier, eher in Nordhorn gelegen, Jugendarbeit, Freizeitmöglichkeiten, Familienzentrum für das Kerngebiet von Blankenhagen eingebunden werden, so wie sich das der Sozialraum Nord vorstellt?

Überhaupt, ist dieser Norden denn so weit weg, dass eine weiterführende Schule dort unverzichtbar ist? Für Avenwedde, Friedrichsdorf und Isselhorst wurden solche Argumente in der Vergangenheit nicht bemüht. Hier haben wir Grüne uns in der Vergangenheit mehrmals für eine Gesamtschule eingesetzt.

Gerade Gesamtschul-Befürworter dürften sich im Norden die 3. Gesamtschule nicht wünschen. Nicht erstaunlich ist es, dass die Rufe nach Marketing und nach „Brennen für die Gesamtschule“ auch aus einer Richtung kommen, die schulpolitisch eigentlich anders denkt.

Die Freiherr-vom-Stein Realschule muss man noch nicht aufgeben. Hier sieht man übrigens, was passiert, wenn bei Dreigliedrigkeit die Hauptschule wegbricht. Es kommt nicht zu einer Addition der Schülerzahlen!

Wir plädieren dafür, zusammen mit der Schulaufsicht hier eine Realschule zu gestalten, die das Unterrichten, Erziehen und das Erlangen guter Schulabschlüsse in ihr pädagogisches Zentrum rückt. Eine gute Schule zeichnet sich nicht dadurch aus, dass möglichst viel Aktionen, Methodenwirrwarr und Wand-Plaketten für die Außendarstellung realisiert werden.

Daher frage ich zugleich, wieviel Profil kann denn eine neue Gesamtschule haben, die, sollte sie zustande kommen, von Anfang an mit zwei Problemen kämpfen wird:

  1. um permanente Werbung für die Anmeldezahl 100 und
  2. dann zugleich um eine Schülerschaft, die der viel bemühten und zugleich enorm wichtigen Drittelung in den Fähigkeiten und Begabungen entspricht.

Über die vielen Millionen Euro, die dieser riskante Weg für die Stadt bedeutet, zu sprechen, fehlen heute Anlass und Zeit, es wird auch offiziell bislang noch nicht getan. Vielleicht bekämen einige kalte Füße angesichts der Millionen-Investitionen, die wir für andere Vorhaben schon beschlossen haben.

Wir GRÜNEN befürchten, dass sich die Kommune hier schulpolitisch verrennt.

Beschlussvorschläge des Rates für die Sitzung am 7.10.2016:

  1. Der Rat der Stadt Gütersloh nimmt die Stellungnahmen der Beteiligungsgremien nach § 76 Satz 3 Ziffer 2 in Verbindung mit § 65 Absatz 2 Ziffer 22 Schulgesetz NRW (Schulkonferenzen) sowie nach § 80 Absatz 2 Satz 2 Schulgesetz (Nachbarkommunen) und der Sozialraumarbeitsgemeinschaften zur anlassbezogenen Schulentwicklungsplanung für die Errichtung einer 3. Gesamtschule im Norden der Stadt zur Kenntnis und stimmt den Wertungen der Verwaltung zu.
  2. Der Rat der Stadt Gütersloh beschließt gemäß § 81 Absatz 2 des Schulgesetzes Nordrhein-Westfalen, die Hauptschule Ost, Am Anger 54, 33332 Gütersloh, beginnend mit dem Schuljahr 2017/18 auslaufend aufzulösen.

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