Grünes Frauenforum Gütersloh diskutiert mit Kreishandwerkerschaft über Ausbildung, Chancengleichheit und Perspektiven für Frauen im Handwerk

Das Grüne Frauenforum Gütersloh hat im Rahmen seines Formats „GRÜNES Frauenforum trifft“ mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft Gütersloh über die Situation von Frauen im Handwerk, Ausbildungsbedingungen und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung gesprochen.

Ziel des Austauschs war es, bestehende Herausforderungen zu benennen und gemeinsame Lösungsansätze für mehr Chancengleichheit und Attraktivität handwerklicher Berufe zu entwickeln.

An dem Gespräch nahmen seitens der Kreishandwerkerschaft Geschäftsführer Herr Pape, Projektmitarbeiterin Frau Wittorp (Bereich Ausbildung) sowie Herr Stockamp (Öffentlichkeitsarbeit) teil. Das Grüne Frauenforum Gütersloh war durch Frau Diekötter, Frau Meier und Frau Böhm vertreten.

Herr Pape betonte zu Beginn die Vielfalt der über 130 Ausbildungsberufe im Handwerk und die zunehmenden Schwierigkeiten, junge Menschen für diese zu gewinnen. Gütersloh liege bei der Quote weiblicher Auszubildender im Vergleich zum Bundesdurchschnitt auf einem guten Weg, eine detaillierte Aufschlüsselung nach Berufsfeldern existiere jedoch noch nicht. Auffällig sei zudem, dass Frauen bei den Freisprechungen noch unterrepräsentiert seien, während sie bei Leistungsqualifizierungen und Auszeichnungen überproportional vertreten seien.

Frau Wittorp stellte das Projekt „Passgenaue Besetzung“ vor, dass durch gezielte Talentsuche, individuelle Ausbildungsplatzvermittlung und engere Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Schulen und Auszubildenden Ausbildungsabbrüche reduzieren soll. Als zentrale Herausforderung benannte sie die gesellschaftliche Wahrnehmung des Handwerks: „Es ist entscheidend, dass das Handwerk als wertvoller und zukunftssicherer Berufsweg wahrgenommen wird – gerade auch von jungen Frauen.“

Frau Diekötter thematisierte die mögliche Errichtung eines Azubi-Wohnheims in Gütersloh, dessen Dringlichkeit auch von der Kreishandwerkerschaft anerkannt werde. Konkrete Planungen stünden jedoch noch aus. Frau Meier unterstrich die Bedeutung einer praxisnahen Berufsorientierung an Schulen, etwa durch den Einsatz von Auszubildenden als Botschafter:innen oder die stärkere Verzahnung von MINT-Fächern mit handwerklichen Ausbildungsstätten. „Jugendliche müssen den Berufsalltag frühzeitig erleben können, um fundierte Entscheidungen zu treffen“, so Meier.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier wurde deutlich, dass Frauen im Handwerk häufiger in Teilzeit arbeiten, während Teilzeitmodelle für Männer noch wenig verbreitet sind. „Flexible Arbeitszeitmodelle müssen für alle Geschlechter selbstverständlich werden, um echte Chancengleichheit zu schaffen“, forderte Frau Böhm, Grünes Frauenforum.

Auf die Frage, was Politik konkret tun könne, um den Ausbildungsbereich vor Ort zu unterstützen, hob Herr Stockamp die Bedeutung gesellschaftlicher Anerkennung für das Handwerk hervor. Es sei entscheidend, dass das Handwerk im Bewusstsein der Bevölkerung stärker als das wahrgenommen werde, was es ist: wertvoll, notwendig und unverzichtbar für Wirtschaft und Gesellschaft. Eine höhere Wertschätzung könne maßgeblich dazu beitragen, junge Menschen für handwerkliche Ausbildungsberufe zu begeistern.

Das Treffen habe gezeigt, dass Gütersloh im Bereich Aus- und Weiterbildung von Frauen bereits Fortschritte mache, gleichzeitig aber kontinuierlich neue Impulse nötig seien, um Fachkräftesicherung und Gleichstellung nachhaltig zu stärken. „Das Handwerk ist modern, digital und bietet vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten – diese Botschaft müssen wir noch stärker vermitteln“, resümierte das Grüne Frauenforum.

Das GRÜNE Frauenforum ist eine Arbeitsgemeinschaft des Gütersloher Ortsverbandes der Grünen. Im Fokus stehen frauenpolitische Themen sowie die Vernetzung und Stärkung von Frauen.